Zamosc, die ideale StadtPolens Renaissancestadt, das „Padua des Ostens“28.12.2007 Brigitte Jaeger-Dabek
Die polnische Renaissancestadt steht auf der UNESCO-Liste des Welterbes und ist eine der attraktivsten Städte Europas.
Es war ein Traumauftrag für einen Architekten, den der Italiener Bernardo Morando Ende des 16. Jahrhunderts vom polnischen Großkanzler Jan Zamoyski erhielt. Eine Stadt auf dem Reißbrett - die erste in Polen - sollte er entwerfen und mitten in den Weiten des polnischen Südostens aus dem Boden stampfen. Ganz im Renaissancestil sollt sie erbaut werden und so dem damaligen Ideal einer Stadt entsprechen. Heraus kam dabei ein "Padua des Ostens". Ließen andere Adelige sich ein Schloss bauen, machte sich Zamoyski seinen Traum von der idealen Stadt als Familiensitz wahr. Binnen weniger Jahrzehnte entstand so nach der Gründung am 10. April 1580 ein wahres Kleinod. Zamosc, Perle der Renaissance und "ideale Stadt"Schnell wurde Zamosc eine blühende Stadt, denn es lag im Schnittpunkt der alten Salz- und Bernsteinstraßen direkt am Handelsweg, der bis zum Schwarzen Meer führte. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich in Zamosc auch armenische, griechische, jüdische und auch deutsche Händler niederließen. Besonders die Häuser armenischer Kaufleute geben mit ihren reich verzierten Giebelfassaden noch heute Zeugnis vom Wohlstand der Stadt und ihrer kulturellen Vielfalt. Nun gibt es durchaus noch andere Renaissancestädte in Europa, doch ist Zamosc mehr als ein Beispiel italienischer Renaissancebaukunst. Was diese Stadt so einmalig macht, ist die harmonische Integration östlicher und südlicher Elemente, die von den sich ansiedelnden Händlern mitgebracht wurden. Zentrum der Altstadt ist der Große Markt / Rynek Wielki, um den zahlreiche Straßen und Gassen schachbrettartig angelegt sind. Weithin sichtbar dominiert das um 1600 erbaute Rathaus mit seinem gut 50 Meter hohen Uhrenturm den Platz. Außergewöhnlich ist die weit ausladende und geschwungene 1768 fertiggestellte Freitreppe, die das Rathaus immer wieder zur gefragten Filmkulisse werden lässt, auch Theateraufführungen und Konzerte finden hier statt. Der exakt quadratische große Markt ist berühmt für die ihn umstehenden prächtigen Bürgerhäuser mit ihren reich verzierten bunten Fassaden und den sehr italienisch anmutenden Laubengängen – Zamosc, Stadt der Arkaden, ist einer der vielen Beinamen der Stadt. In den prächtigen armenischen Patrizierhäusern am Großen Markt ist heute das Museum zur Stadtgeschichte untergebracht. Der große Markt ist auch Schnittpunkt der beiden Magistralen der Stadt, deren eine den Zamoyski-Palast mit der Bastion VII verbindet. Die andere verbindet die beiden andern Maktplätze der Stadt, den Wassermarkt / Rynek Wodny und den Salzmarkt / Rynek Solny miteinander. Die Sehenswürdigkeiten von ZamoscDie kulturhistorischen Highlights der 50 000-Einwohner Stadt lassen sich problemlos zu Fuß vom Großen Markt aus erreichen. Bedeutendstes Bauwerk der Stadt ist die dreischiffige Stiftskirche St. Thomas , die von Bernardo Morando entworfen wurde und 1598 fertig wurde. Sie ist berühmt für den Hochaltar mit seinem Gemälde vom "Ungläubigen Thomas", das Domenico Tintoretto zugeschrieben wird. Hier befindet sich auch die Familien-Krypta der Zamoyskis. Wer Zeit hat sollte noch die Nikolaikirche und Franziskanerkirche besichtigen und die 1831 in ein Militärlazarett umgewandelte schon 1585 erbaute Residenz der Zamoyskis. Auch die Gegend um den Wasser- und den Salzplatz sollte man sich anschauen. Zu traurigem Ruhm gelangte im Zweiten Weltkrieg die Rotunde, ein 1831 erbautes Pulverhaus im Süden der Stadt. Dort wurden 8 000 Menschen aus Zamosc und Umgebung von der deutschen Besatzungsmacht ermordet, weitere Zehntausende wurden deportiert, unter ihnen 45 000 Kinder aus der Region, die wenigsten überlebten. In der Rotunde befindet sich heute das Museum der Märtyrer von Zamosc, das über dieses dunkle Kapitel der Geschichte informiert. War der Holocaust das Ende des multikulturellen Zamosc, blieb die Stadt weitgehend unzerstört. In "Himmlerstadt" umbenannt sollte Zamosc nach dem Willen der Nazionalsozialisten als "Germanisierungszentrum" dienen und wurde anders als viele seiner Bürger verschont. Die UNESCO setzte Zamosc 1992 auf die Weltkulturerbe-Liste. Weitere besuchenswerte Städte in Polen: Danzig, Torun, Warschau, Krakau, Lodz, Poznan
Der Artikel Zamosc, die ideale Stadt in Osteuropa- Reisen & Russland-Reisen unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Zamosc, die ideale Stadt ist Brigitte Jaeger-Dabek.
Ähnliche Artikel
Ähnliche Themen
Schlagworte
Mehr in Reisen
|